Sex vs. Herz


Leseprobe

(Achtung: unkorrigierte Leseprobe)

Drei Wochen nach seinem sechsunddreißigsten Geburtstag, den Elias Parks damit verbracht hatte, wutentbrannt das Hab und Gut seines Ex-Freundes in Kartons zu werfen, um diese heute vor die Tür des Apartmenthauses zu stellen, nachdem er Christoph erwischt hatte, wie der in ihrem Bett einen fremden Typen vögelte – was er, wie Elias leider erst hinterher erfuhr, bereits seit einigen Monaten tat, sich aber nicht von ihm hatte trennen wollen, da es nun mal recht bequem war, einen reichen Lover zu haben, der für sie sämtliche Rechnungen bezahlte –, traf er Maximilian Endercott zum allerersten Mal.

Er traf ihn mit einem Karton auf dessen in einem teuren Schuh steckenden Fuß, da Endercott in das Haus hineinwollte, in dem Elias mit Christoph drei Jahre gemeinsam gelebt hatte. Wenigstens war er nie so dumm gewesen, Christophs Namen in den Mietvertrag aufnehmen zu lassen, sonst hätte er sich mit ihm garantiert auch noch um ein Wohnrecht streiten müssen, und das wäre nach den letzten Wochen, in denen sie sich um fast alles gestritten hatten – angefangen vom Toaster bis hin zu den Kaffeetassen, die natürlich Elias gekauft hatte – einfach zu viel gewesen.

Das hatte man nun davon, sich einen Anwalt als Freund zu nehmen, der sich nicht zu fein war, ihre Trennung aus Rache so unangenehm wie möglich zu machen.

Knapp eine Stunde später, nachdem er erfahren hatte, dass Maximilian Endercott ebenfalls ein Anwalt und hergekommen war, um ihm einen unbefristeten, gut bezahlten Job anzubieten, saß er mit dem verführerisch, lächelnden Mann in einem Café auf der anderen Straßenseite, fragte sich, wie er dort überhaupt hingekommen war und überlegte gleichzeitig verzweifelt, ob es wohl ein Verbrechen wäre, Endercott den Mund zuzuhalten, da er Kerl beinahe ununterbrochen von einem LGBT-Zentrum für obdachlose Jugendliche redete, das er momentan aufbaute und für das er ihn unbedingt als Arzt engagieren wollte.

Dass Elias im Augenblick dabei war, seine eigene Praxis zu eröffnen – egal.

Dass er überhaupt kein Interesse daran hatte, jemals wieder in einer Klinik oder als Festangestellter zu arbeiten – egal.

Dass er auf gar keinen Fall mit Maximilian Endercott Essen gehen wollte – egal.

Dass Endercott anbot, die Gespräche mit Christoph als sein Anwalt zu übernehmen, damit ihre Trennung endlich über die Bühne ging – okay, das war ihm nicht egal, obwohl Elias das vorherige Angebot zu einem Abendessen, um die Pläne für das »Boston Hearts«, wie Endercott sein LGBT-Zentrum nannte, zu besprechen, noch nicht ganz verdaut hatte.

»Und das Abendessen?«, fragte Endercott und hatte dabei einen Ausdruck im Gesicht, für den Elias keine Worte fand, der ihm aber zugleich ein unruhiges Flattern im Magen bescherte. Maximilian Endercott war ganz offensichtlich daran gewöhnt zu bekommen, was er wollte, und momentan war er derjenige, den dieser Mann wollte – wofür auch immer.

Schon aus Prinzip und weil sein Privatleben gerade wieder eine einzige Katastrophe war, lehnte er erneut ab.

Endercott grinste jungenhaft und ließ das Thema fallen, um erneut zu seinem Zentrum zurückzukehren, und Elias, der sich nicht sicher war, ob er das gut oder schlecht finden wollte, kam wieder auf seine erste Idee mit dem Mund zuhalten zurück.

Er entschied sich nur dagegen, da er auf einmal Christoph gegenüber entdeckte, und bei den unbekannten Männern, die seinen Ex-Freund begleiteten und der überraschenden Menge an gefalteten Kartons, die sie allesamt trugen, wurde Elias von einer Sekunde auf die andere überaus misstrauisch. Das meiste Inventar in seiner Wohnung gehörte ihm und nicht Christoph, was der aber offensichtlich anders sah.

»Ist er das?«, fragte Endercott und erhob sich, als Elias nur nickte. »Bleiben Sie sitzen, Elias. Als Ihr Anwalt, werde ich jetzt ein ernstes Wort mit Ihrem Ex reden, denn ich bezweifle doch sehr, dass er so viel Besitz in Ihrer Wohnung hat, dass es diese Anzahl an Kartons und die Anwesenheit dieser zwielichtigen Gestalten, die ihn begleiten, rechtfertigen würde.«

»Hat er nicht. Ich habe immer alle größeren Anschaffungen bezahlt. Was ihm gehört, hat er längst mitgenommen, und den Rest habe ich Ihnen vorhin auf den Fuß gestellt.«

Und diese paar Kartons standen unberührt vor dem Haus, in das Christoph gerade verschwunden war.

Maximilian Endercott warf ihm einen so ungläubigen Blick zu, dass Elias leise seufzte. Ja, er war ein verliebter Volltrottel, das wusste er mittlerweile auch. Elias schaute aus dem Fenster, da er den jetzt mitfühlenden Blick von Endercott nicht ertrug.

»Ich regle das.«

Und das tat er tatsächlich, denn keine fünf Minuten später konnte Elias verblüfft dabei zusehen, wie zuerst diese finsteren Gesellen und kurz darauf Christoph mit eiligen Schritten und leeren Händen das Haus verließen, dicht gefolgt von einem überheblich grinsenden Endercott, der, nachdem er wieder an seiner Seite Platz genommen hatte, ohne ein Wort Christophs Wohnungsschlüssel auf den Tisch legte, deren Herausgabe sein Ex-Freund bisher verweigert hatte.

»Wie haben Sie das gemacht?«

»Gehen Sie mit mir essen?«

»Nein!«

»Dann müssen Sie es selbst herausfinden, Doktor Parks.«